Als Hundeliebhaber begeistern wir uns natürlich auch für Geschichten um alle Hunderassen, deren Leben und Leiden, deren Lachen und Lieben. Diese Geschichte hat uns besonders berührt:

Als Du das erste Mal mit Deiner ganzen Familie bei meinem Züchter warst hörte ich Dich sagen, dass Du diese Rasse noch nicht kanntest, aber sie Dir vom ersten Augenblick an gefallen hat. Auch die tollen Rassebeschreibungen (beste Freund des Kindes, idealer Familienhund, weiß immer was sein Besitzer denkt, stellt sich ohne Aggression Eindringlingen entgegen… usw.), die Du auf den verschiedenen Internetplattformen und „Züchterseiten“ lesen konntest, trugen ihren Teil dazu bei.

Letztendlich auch die Gespräche, mit den „Spezialisten“, die jedoch den Sinn und Zweck von uns „Südafrikanern“ nicht einmal im Ansatz verstanden haben. Aber den Interessenten mit dem auswendig gelerntem Rassestandard und Stammbaum Rassekenntnisse vorgaukeln. Eigentlich hättest Du schon hellhörig werden und besser nachfragen müssen, als mein Züchter zu Dir sagte, dass wir ursprünglich aus Südafrika kommen. Dem Land, das mit rund 50-70 Morden am Tag und ca. 60.000 Vergewaltigungen im Jahr und den tagtäglich brutalen Raubüberfällen zu einem der gefährlichsten Ländern der Welt zählt. Wenn mein „Züchter“ ehrlich zu Dir gewesen wäre, dann hätte er Dir sagen müssen, dass wir in unserem Ursprungsland extra dafür gezüchtet wurden und werden, um auf die Familien und Grundstücke aufzupassen und dort als Wachhunde einen sehr guten Job machen. Weitere Nachforschungen über uns hieltest Du nicht für notwendig und über die Haltungsvoraussetzungen machtest Du Dir auch keinen Kopf, da Du angeblich schon genügend Hundeerfahrung hattest.

Als mein Züchter mit Dir zu unserem Welpenauslauf ging und Du mich mit meinen großen Kulleraugen, meinen kräftigen Pfoten und meinen tollpatschigen Gang sahst, hattest Dich sofort in mich verliebt und jegliche Vernunft über Bord geworfen. Du freutest Dich darauf, dass ich als Welpe mit Deinen Kindern aufwachsen und herumtollen kann. Neben den vielen Kosenamen die Ihr mir gabt, suchtet Ihr im Internet nach einem Afrikanischen Namen für mich. Trotz einer Anzahl von angekauten Schuhen und einigen Sofakissen die ich zerlegte, brachte ich Euch mit meinen Mätzchen zum lachen und wurde Euer bester Freund. Wann immer ich "ungezogen" war, zeigten Du oder Deine Kinder mir mahnend den Zeigefinger und sagten: "Wie konntest Du nur?" - Aber als ich Euch mit meinen großen Kulleraugen fragend ansah, habt ihr Euch sofort erweichen lassen, mich auf die Seite gerollt und meinen Bauch gestreichelt.

So langsam begann ich zu verstehen und wusste wie ich mich verhalten muss. Langsam setzte ich mir meine Grenzen. Meine Aufenthalte in der Wohnung wurden immer länger, da Ihr beide berufstätig seid und Deine Kinder in eine Ganztagsschule gingen. Ich riss mich zusammen und erinnerte mich an jene Nächte, als ich mich im Bett an Dich oder deine Kinder schmiegen konnte und Euch zuhörte wie Ihr mir Geschichten vorgelesen habt. Ich glaubte, dass das Leben nicht vollkommener sein könnte. Wir gingen in den Park, um dort lange spazieren zu gehen oder um herumzutollen. Während sie anfingen zu wachsen, wurde ich ihr Freund. Sie zogen an meinem Fell, griffen nach mir, stießen ihre Finger in meine Augen, forschten an meinen Ohren und gaben mir Küsse auf meine Schnauze. Ich liebte alles an ihnen, besonders ihre Berührungen, weil Deine so selten wurden.

Ich war soweit, dass ich die Kinder notfalls mit meinem Leben verteidigen würde. Ich war soweit, in ihre Betten zu schleichen, um ihren Sorgen und geheimsten Träumen zuzuhören. Zusammen mit ihnen das Motorengeräusch Deines Autos zu erwarten, während Du in die Einfahrt fuhrst. Als wir wieder einmal mit dem Auto fuhren um Freunde von Euch zu besuchen war ich schon fasst 1 Jahr alt. Du wolltest mich ihnen unbedingt vorstellen, da Du sehr stolz auf mich warst. Mit Deinen und den Kindern von Deinen Freunden zusammen durfte ich dort im Garten herumtollen und spielen. Als ein Kind Deiner Freunde böse wurde, weil es nicht auf die Schaukel durfte auf der „meine“ Leonie war und sie von der Schaukel schuppste, machte ich diesem durch drohen und knurren sofort klar, dass es das nicht noch einmal machen sollte.

Du und Deine Freunde verstanden nicht, dass ich nur meine Familie beschützen wollte und beschimpften mich als dummen Köter. Meinen afrikanischen Namen hattet Ihr wohl vergessen. Für den Rest des Tages musste ich im Auto bleiben. So langsam begann ich auch mein Grundstück zu patrouillieren. Ich machte Euch durch knurren und bellen darauf Aufmerksam, dass Fremde im Anmarsch waren. Fremde Hunde, die an unserem Grundstück vorbei liefen, mochte ich gar nicht und das zeigte ich ihnen auch sehr deutlich. So langsam beschwerten sich die Nachbarn über mein Gebell und fühlten sich sehr unwohl. Da ich jedes Mal, wenn sie an unserem Grundstück vorbei gingen, zum Tor rannte und ihnen deutlich machte, dass sie lieber etwas schneller vorbeilaufen sollten. Des Öfteren stellte und verbellte ich auch Spaziergänger, die plötzlich und unerwartet aus einer nicht einsehbaren Waldkreuzung oder hinter einer Hauswand hervorkamen. Vor einiger Zeit, als man Dich fragte, ob Du ein Haustier hättest, zogst Du aus deiner Brieftasche ein Foto von mir und erzähltest mit vollem Stolz über mich.

Jetzt, da ich Dich, Deine Familie und Dein Grundstück beschützen möchte, antwortest Du nur noch mit "Ja" und wechselst das Thema. Ich war früher "Euer Hund" und bin heute "nur ein Hund" Die vielen Schimpfnamen möchte ich gar nicht nennen! Die Spaziergänge wurden immer weniger und in den Biergärten durfte ich schon länge nicht mehr mit. Wahrscheinlich lag es daran, dass ich Dich vor einem Betrunkenen schützen wollte und dabei den ganzen Tisch umgeworfen habe. So langsam bekam ich das Gefühl, dass ich Dir und Deiner Frau nur noch eine Last bin und ihr mit meinen mir angeborenen Charaktereigenschaften überhaupt nicht zu Recht kommt.

Dann hattest Du eine neue Karrieregelegenheit in einer anderen Stadt, und Du und Deine Familie zogen in eine Wohnung, in der Haustiere nicht erlaubt waren. Du hattest für dich und Deine Familie die richtige Entscheidung zu finden, obwohl es einmal eine Zeit gab, in der ich auch ein Teil Deiner Familie war. Mann oh Mann dachte ich, als ich endlich einmal wieder mit im Auto mit fahren durfte. Auch hatte die Autofahrt richtig Spaß gemacht, bis ich bemerkte, wo wir angekommen waren. Es roch nach Hunden und Katzen, nach Furcht und nach Hoffnungslosigkeit. Du fülltest Papiere aus und sagtest, dass du wissen würdest, dass man ein gutes Heim für mich finden würde. Die beiden Damen hinter der Theke zuckten mit den Achseln und zeigten Dir einen geschmerzten Blick. Sie verstanden die Wirklichkeit, der ein Hund meiner Rasse mit gerade mal 2 ½ Jahren gegenüberstand, ja sogar ein Hund mit "Papieren", Du hattest die Finger Deines Sohnes von meinem Halsband lösen müssen, während Du ihn von mir weg zerrtest schrie er weinend "Nein Papa, bitte lass mir meinen Hund, nehmt in mir bitte nicht weg.

Ich wunderte mich in diesem Moment nur, wie Du ihm gerade Lektionen über Freundschaft und Loyalität, über Liebe und Verantwortlichkeit beibringen konntest. Zum Abschied gabst Du mir einen Klaps auf den Kopf, vermiedest dabei, mir in meine Augen zu schauen und lehntest höflich ab, mein Halsband und meine Leine mitzunehmen. Du hattest einen Termin einzuhalten, nun habe ich auch einen! Kurz nachdem Du gegangen warst, sagten die zwei netten Damen, dass Du vermutlich auch wieder jemand bist der völlig naiv und unübererlegt einen Wachhund gekauft hat und der jetzt nicht mehr mit ihm zu recht kommt oder aber dem die ganze Arbeit zu stressig ist. Auch meinten sie, dass Du bereits schon seit längerem darüber nachgedacht hast mich abzugeben und Monate im Voraus vom Umzug wusstest. Die Möglichkeit ein Haus zu finden in dem Hunde erlaubt sind war sicherlich vorhanden. Sie schüttelten ihre Köpfe und fragten sich ... "Wie konntest Du nur ?" Die beiden netten Damen widmeten uns ihre ganze Aufmerksamkeit, wann immer es ihre Zeit zuließ. Sie fütterten uns täglich und ausreichend, aber ich verlor meinen Appetit bereits vor Tagen.

Anfangs, wann immer jemand an meinen Gehege vorbei ging, hetzte ich zur Frontseite und hoffte, dass Du es bist, dass Du deine Meinung geändert hättest und dass alles nur ein böser Traum war, oder ich hoffte, dass es zumindest jemand sein würde, der mich mögen könnte, der mich retten würde. Aber die Wahrheit war, dass ich es nicht mit den liebenswerten, kleinen und so tollpatischen Welpen aufnehmen konnte. Weltvergessen in meinem eigenen Schicksal zog ich mich in einer weichen Ecke zurück, dachte an die kurze schöne Zeit mit Dir und „meiner“ Familie und überlegte, was wohl der eigentliche Grund war, mich einfach abzugeben.

War es mein ausgeprägter Wach- und Schutzinstinkt, der mir in die Wiege gelegt wurde, mit dem Du nicht zu Recht kamst und Du Dich eben deshalb bei den Menschen entschuldigen musstest, die ich des Öfteren stellte und verbellte? Gemäß meiner Natur wollte ich doch nur Dich und Deine Familie beschützen, sowie es auch meine Eltern, Großeltern und Urgroßeltern immer schon gemacht haben. Oder störte Dich mein ständiges Patrouillieren des Grundstückes? Sicherlich hat sich der eine oder andere Besucher erschrocken, als ich zum Tor gestürmt bin und ihm klar gemacht habe, dass er hier nicht erwünscht ist. Vielleicht lag es auch daran, dass ich auf „meiner Gassirunde“ keine anderen freilaufenden Hunde duldete und ihnen schnell klar machte, dass mit mir nicht zu spaßen ist.

Wahrscheinlich hattest Du einfach eine ganz andere Vorstellung von einem Familienhund. In meinem Ursprungsland sind aber genau das die Eigenschaften, die dort einen guten Familienhund ausmachen. Je mehr ich auch darüber nachdachte und überlegte, ich kam einfach nicht darauf. Müde und kraftlos lag ich Gedanken versunken, zusammen gekauert in der Ecke meines Zwingers und schlief ein. Eines Tages, es war am Nachmittag, hörte ich Schritte. Man holte mich ab, ich ging über einen langen Korridor, bis ich an dessen Ende einen Raum betrat. Es war ein seliger, ruhiger Raum. Die Frau platzierte mich auf einen Tisch, kraulte meine Ohren und erklärt mir, dass ich mich nicht zu sorgen hätte. Mein Herz schlug in voller Erwartung auf das, was da kommen sollte. Gleichzeitig hatte ich ein Gefühl der Entlastung. Mir, dem Gefangenen der Liebe, gingen die Tage aus.

Gemäß meiner Natur war ich mehr um die nette Frau besorgt, als um mich selbst. Ich erkannte, dass sie eine Belastung trägt, die tonnenschwer sein musste. Sie platzierte leicht einen Aderlass um mein Vorderbein, während eine Träne ihre Wange hinunterkullerte. Ich leckte ihre Hand in der gleichen Art und Weise, wie ich es bereits Jahre vorher tat, um Dich zu trösten. Sie schob sachverständig die hypodermatische Nadel in meine Vene. Nachdem ich den Einstich und den Eintritt der kühlenden Flüssigkeit in meinen Körper verspürte, lehnte ich mich schläfrig zurück, schaute dabei in ihre freundlichen Augen und murmelte: "Wie konntest Du?". Möglicherweise verstand sie meine Hundesprache, denn sie sagte, "Es tut mir leid!". Sie umarmte mich hastig und erklärte, dass es ihr Job sei, mir einen besseren Platz zu verschaffen, wo ich nicht ignoriert, missbraucht, verlassen, oder unverstanden würde. Einem Platz, an dem ich mich nicht verstecken müsse und Wachen und -Schützen darf. Einen Platz der Liebe und des Lichts, der so anders sei als auf Erden. Mit meinem letzten Bissen von Energie wedelte ich mit meinem Schwanz und versuchte ihr so zu sagen, dass mein "Wie konntest Du nur?", nicht gegen sie gerichtet war. Ich dacht an Dich, mein geliebtes Herrchen. Ich werde immer an dich denken und auf Dich warten. Möge Dir jeder in deinem Leben immer diese Loyalität zeigen wie ich es tat.

Traurigerweise ist diese Geschichte die ursprünglich von Jim Willis, aus dem Buch „Die leise Stimme der Seele“ stammt nicht nur eine Geschichte, sondern die traurige Realität die tagtäglich passiert! Solange es Menschen gibt, die Hunde nur nach ihrem Aussehen kaufen, weil sie diese Rasse schön finden, sich in diese Rasse verliebt haben und sich genau diese Rasse einbilden , oder weil ihre Kinder mit einem dieser knuffig süßen Welpen aufwachsen sollen, solange wird sich diese wahre Geschichte in ähnlicher Form in allen Rassen wiederholen. Auch deshalb, weil viele Menschen ihre Hunde schon aus nichtigem Anlass, sobald die erste Euphorie verschwindet, die Kinder das Interesse an dem Hund verlieren, oder der Hund sich nicht so entwickelt wie gewünscht, „entsorgen“, als wäre es ein alter Gegenstand den man nicht mehr braucht. Leider, leider gibt es immer weniger Menschen, die sich wirklich hinterfragen, ob speziell dieses Rasse mit den dazu gehörigen Charaktereigenschaften ihren Anforderungen entspricht, beziehungsweise , ob ihre Haltungsvoraussetzungen( Wohngegebenheiten), ihre Hundeerfahrung, ihre Einstellung zum Hund, ihr Verantwortungsbewusstsein und ihr Sachverstand für diese Rasse ausreichen!

Die Geschichte stammt von Herrn Kainer von der Boerboel-Zucht "Bavarian Boerboel".
Vielen Dank an dieser Stelle an Herrn Kainer für die Erlaubnis, diese Geschichte veröffentlichen zu dürfen.